Da steht es vor mir: Das Alte Stadtarchiv zu Greifswald.
Von vorne sogar noch ganz ansehnlich, ist im hintersten Gebäudeanbau schon der meiste Putz von alleine von der Wand gebröckelt.
Und während wir planen und versuchen größere Bau-Maßnahmen in kleinere Arbeitsschritte zu unterteilen, holt uns die Natur ein.
Direkt an unserer Haus-Engangtür bricht sich diesen Sommer eine Distel ihren Weg durch die Fugen im Asphalt. Erst recht zart, langsam.
Das ist doch ein Wild-Kraut, denke ich mir, und will es gerade raussreißen, als mich andere unterbrechen.
Das ist eine Mariendistel (silybum marianum), erklären mir Landschaftökologie-begeisternte Mitstreiter:innen.
Wild ist es schon, aber doch kein Problem!
Ich erlaube mir einen genauen Blick und suche etwas das Detail.
Die Mariendistel kommt dort mit den kargen Bedingungen aus und gibt sich stachelig gegen unerwünschte Fress-Feinde. Ein bisschen aufmüfig und durchaus durchsetzungsfähig. In machen Kulturen wird sie auch als Heil-Pflanze angebaut und geehrt.
So lasse ich sie da vor unserer Haustür gedeien. Und als sie eine stattliche Höhe erreicht hat, erblüht sie dann auch — wochenlang und immer wieder neu.
Je mehr ich sie über die Zeit beobachte, wie sie wächst, und wie die Wildbienen um sie herum tanzen, kann ich mich mit dieser Pflanze anfreunden.
Etwas stachelig und aufmüfig wollen wir auch sein.
Und hier und da wollen wir auch den Beton aufbrechen.
Sehr bald schon wird es los gehen. Am und im Haus.
Seid dabei.
– Luca
